Das Römische Reich gehörte zu den langlebigsten politischen Herrschaftssystemen der europäischen Geschichte. Mit Augustus begann 27 v. Chr. die Kaiserzeit, nachdem Octavian nach seinen Siegen über Marcus Antonius und Kleopatra die entscheidende Machtposition erreicht hatte. Augustus regierte bis 14 n. Chr. und legte damit die Grundlage für das Prinzipat.
Eine vollständige Liste aller römischen Kaiser ist allerdings komplex. Im Verlauf der Jahrhunderte gab es Gegenkaiser, kurzzeitig regierende Herrscher, Mitkaiser sowie unterschiedliche Kaiser im Westen und Osten. Deshalb konzentriert sich die folgende Tabelle auf die wichtigsten und allgemein anerkannten Herrscher der römischen Kaiserzeit bis zum Ende des Weströmischen Reiches.
Römische Kaiser Tabelle: Chronologie und Regierungszeiten
| Kaiser | Regierungszeit | Dynastie bzw. Epoche | Todesursache |
|---|---|---|---|
| Augustus | 27 v. Chr.–14 n. Chr. | Julisch-claudisch | natürliche Ursachen |
| Tiberius | 14–37 | Julisch-claudisch | vermutlich Krankheit |
| Caligula | 37–41 | Julisch-claudisch | ermordet |
| Claudius | 41–54 | Julisch-claudisch | vermutlich vergiftet |
| Nero | 54–68 | Julisch-claudisch | Selbstmord |
| Galba | 68–69 | Vierkaiserjahr | ermordet |
| Otho | 69 | Vierkaiserjahr | Selbstmord |
| Vitellius | 69 | Vierkaiserjahr | hingerichtet |
| Vespasian | 69–79 | Flavisch | natürliche Ursachen |
| Titus | 79–81 | Flavisch | Krankheit |
| Domitian | 81–96 | Flavisch | ermordet |
| Nerva | 96–98 | Nerva-Antoninen | natürliche Ursachen |
| Trajan | 98–117 | Nerva-Antoninen | Krankheit |
| Hadrian | 117–138 | Nerva-Antoninen | Krankheit |
| Antoninus Pius | 138–161 | Nerva-Antoninen | Krankheit |
| Marcus Aurelius | 161–180 | Nerva-Antoninen | Krankheit |
| Commodus | 180–192 | Nerva-Antoninen | ermordet |
| Pertinax | 193 | Bürgerkriegszeit | ermordet |
| Didius Julianus | 193 | Bürgerkriegszeit | hingerichtet |
| Septimius Severus | 193–211 | Severisch | natürliche Ursachen/Krankheit |
| Caracalla | 211–217 | Severisch | ermordet |
| Macrinus | 217–218 | Severisch | hingerichtet |
| Elagabal | 218–222 | Severisch | ermordet |
| Severus Alexander | 222–235 | Severisch | von Soldaten ermordet |
| Maximinus Thrax | 235–238 | Soldatenkaiser | von Soldaten ermordet |
| Gordian III. | 238–244 | Soldatenkaiser | wahrscheinlich im Feldzug gestorben |
| Philippus Arabs | 244–249 | Soldatenkaiser | im Bürgerkrieg getötet |
| Decius | 249–251 | Soldatenkaiser | im Kampf gefallen |
| Valerian | 253–260 | Soldatenkaiser | vermutlich in Gefangenschaft gestorben |
| Gallienus | 253–268 | Soldatenkaiser | ermordet |
| Claudius Gothicus | 268–270 | Soldatenkaiser | Krankheit |
| Aurelian | 270–275 | Soldatenkaiser | ermordet |
| Probus | 276–282 | Soldatenkaiser | von Soldaten ermordet |
| Diokletian | 284–305 | Tetrarchie | natürliche Ursachen |
| Konstantin der Große | 306–337 | Konstantinisch | Krankheit |
| Constantius II. | 337–361 | Konstantinisch | Krankheit |
| Julian | 361–363 | Konstantinisch | im Krieg gefallen |
| Valentinian I. | 364–375 | Valentinianisch | Krankheit/Schlaganfall |
| Valens | 364–378 | Valentinianisch | in der Schlacht gefallen |
| Theodosius I. | 379–395 | Theodosianisch | Krankheit |
| Honorius | 395–423 | Theodosianisch | Krankheit |
| Valentinian III. | 425–455 | Theodosianisch | ermordet |
| Majorian | 457–461 | Spätantike | hingerichtet |
| Anthemius | 467–472 | Spätantike | hingerichtet |
| Julius Nepos | 474–475/480 | Spätantike | ermordet |
| Romulus Augustulus | 475/476–476 | Spätantike | Todeszeitpunkt unbekannt |
Die Regierungszeiten orientieren sich an gängigen historischen Chronologien. Besonders ab dem 3. Jahrhundert überschneiden sich Herrschaften häufig, weil mehrere Kaiser gleichzeitig unterschiedliche Reichsteile kontrollierten.
Augustus: Der erste römische Kaiser
Augustus gilt traditionell als erster römischer Kaiser. Sein ursprünglicher Name war Gaius Octavius beziehungsweise Octavian. Nach den Bürgerkriegen etablierte er eine neue politische Ordnung, bei der die republikanischen Institutionen formal bestehen blieben, während die entscheidende Macht beim Princeps konzentriert wurde.
Seine Regierungszeit von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. war außergewöhnlich lang. Augustus starb 14 n. Chr. eines natürlichen Todes. Damit bildete er einen deutlichen Gegensatz zu mehreren späteren Kaisern, die durch politische Intrigen, Bürgerkriege oder Attentate ums Leben kamen.
Die julisch-claudische Dynastie
Auf Augustus folgte sein Stiefsohn Tiberius. Danach kamen Caligula, Claudius und Nero. Diese erste Kaiserdynastie ist besonders bekannt, weil zahlreiche politische Konflikte und Berichte über Intrigen aus dieser Zeit überliefert sind.
Caligula wurde 41 n. Chr. von Angehörigen der Prätorianergarde ermordet. Claudius starb 54 n. Chr.; antike Quellen berichten von einer Vergiftung, wobei Details und Verantwortlichkeiten historisch nicht vollständig gesichert sind. Nero entzog sich nach seinem Machtverlust der Gefangennahme durch Selbstmord.
Mit Neros Tod endete die julisch-claudische Dynastie. Das anschließende Jahr 69 n. Chr. wurde zum sogenannten Vierkaiserjahr.
Das Vierkaiserjahr 69 n. Chr.
69 n. Chr. folgten innerhalb weniger Monate Galba, Otho, Vitellius und schließlich Vespasian aufeinander. Diese Phase zeigt besonders deutlich, wie stark die römische Kaiserwürde von der Unterstützung der Armeen abhängig war.
Galba wurde ermordet, nachdem seine Unterstützung zusammengebrochen war. Otho beging nach seiner Niederlage gegen Vitellius Selbstmord. Vitellius wurde nach dem Sieg Vespasians gefangen genommen und getötet.
Mit Vespasian begann die flavische Dynastie.
Vespasian, Titus und Domitian
Vespasian regierte von 69 bis 79 n. Chr. und stabilisierte das Reich nach den Bürgerkriegen. Sein Sohn Titus folgte ihm und regierte bis 81. Titus ist unter anderem mit dem Ausbruch des Vesuvs und der Zerstörung Pompejis im Jahr 79 verbunden.
Domitian, der zweite Sohn Vespasians, regierte von 81 bis 96. Seine Herrschaft endete mit einem Attentat. Er wurde in seinem Palast ermordet.
Danach wurde Nerva Kaiser. Seine kurze Regierungszeit leitete die Epoche der sogenannten Adoptivkaiser ein.
Die Adoptivkaiser und die Blütezeit des Reiches
Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und Marcus Aurelius werden häufig gemeinsam als die fünf guten Kaiser bezeichnet. Ihre Regierungszeiten gelten als eine besonders stabile Phase des Römischen Reiches.
Trajan regierte von 98 bis 117. Unter ihm erreichte das Reich seine größte territoriale Ausdehnung. Hadrian setzte anschließend stärker auf die Sicherung und Konsolidierung der Grenzen. Antoninus Pius regierte lange und vergleichsweise friedlich.
Marcus Aurelius war zugleich Philosoph und Kaiser. Seine Regierungszeit war allerdings von Kriegen und einer schweren Epidemie geprägt. Nach seinem Tod 180 n. Chr. übernahm sein Sohn Commodus die Herrschaft.
Commodus und die Krise des 3. Jahrhunderts
Commodus wurde 192 n. Chr. ermordet. Auf ihn folgte eine kurze Phase politischer Instabilität, zu der unter anderem Pertinax und Didius Julianus gehörten.
Mit Septimius Severus begann anschließend die severische Dynastie. Seine Söhne Caracalla und Geta wurden gemeinsam als Kaiser eingesetzt. Der Machtkampf zwischen den Brüdern endete mit der Ermordung Getas.
Caracalla selbst wurde 217 n. Chr. ermordet. Die folgenden Jahrzehnte waren von häufigen Herrscherwechseln und militärischen Machtkämpfen geprägt. Historiker sprechen deshalb vom Zeitalter der Soldatenkaiser.
Soldatenkaiser und häufige gewaltsame Todesfälle
Das 3. Jahrhundert zeigt besonders deutlich, wie gefährlich das Amt des römischen Kaisers werden konnte. Viele Herrscher verdankten ihre Stellung den Legionen und verloren sie wiederum durch militärische Revolten.
Maximinus Thrax, Gallienus, Aurelian und Probus gehören zu den Kaisern, die durch Gewalt oder während militärischer Konflikte ums Leben kamen. Bei anderen Herrschern sind die Todesumstände weniger eindeutig.
Eine wissenschaftliche Untersuchung zu den Todesursachen römischer Kaiser zeigt, dass die späteren Kaiser deutlich häufiger gewaltsam starben als die Herrscher der frühen Kaiserzeit. Für die frühe Kaiserzeit wurden durchschnittlich längere Regierungszeiten und ein höheres durchschnittliches Sterbealter festgestellt.
Diokletian und die Tetrarchie
Diokletian wurde 284 Kaiser und leitete eine grundlegende Reform des Reiches ein. Mit der Tetrarchie wurde die Herrschaft auf mehrere Kaiser verteilt. Dadurch sollte das riesige Reich besser verwaltet und die Nachfolge geregelt werden.
Diokletian dankte 305 freiwillig ab und zog sich aus der Politik zurück. Er starb später eines natürlichen Todes. Seine Herrschaft stellt einen wichtigen Übergang von der klassischen Kaiserzeit zur spätantiken Reichsordnung dar.
Konstantin der Große und die Christianisierung
Konstantin der Große setzte sich nach mehreren Bürgerkriegen als alleiniger Herrscher durch. Unter seiner Herrschaft gewann das Christentum erheblich an Bedeutung. 330 wurde Konstantinopel als neue kaiserliche Residenz eingeweiht.
Konstantin starb 337 n. Chr. nach einer Krankheit. Nach seinem Tod wurde das Reich erneut unter mehreren Mitgliedern der kaiserlichen Familie aufgeteilt.
Theodosius I. und die Teilung des Reiches
Theodosius I. war der letzte Kaiser, der das Römische Reich noch einmal als alleiniger Herrscher regierte. Nach seinem Tod 395 wurde die Herrschaft dauerhaft zwischen einem westlichen und einem östlichen Reichsteil aufgeteilt.
Die Trennung bedeutete allerdings nicht, dass sofort zwei vollständig unabhängige Staaten entstanden. Vielmehr entwickelten sich West- und Ostrom im Laufe der folgenden Jahrzehnte zunehmend auseinander.
Das Ende des Weströmischen Reiches
Im 5. Jahrhundert wurde die politische Situation im Westen zunehmend instabil. Kaiser wechselten häufig, während mächtige Heermeister und germanische Militärführer erheblichen Einfluss gewannen.
Romulus Augustulus wurde 476 n. Chr. von Odoaker abgesetzt. Dieses Ereignis gilt in der traditionellen Geschichtsschreibung häufig als Ende des Weströmischen Reiches. Allerdings war Julius Nepos im Osten weiterhin als rechtmäßiger westlicher Kaiser anerkannt und lebte bis 480.
Das Oströmische beziehungsweise Byzantinische Reich bestand dagegen noch fast tausend Jahre weiter. Deshalb sollte man beim Begriff „letzter römischer Kaiser“ zwischen dem letzten Kaiser des Westens und den späteren Kaisern des Oströmischen Reiches unterscheiden.
Häufige Todesursachen römischer Kaiser
Die Tabelle zeigt, dass römische Kaiser auf sehr unterschiedliche Weise starben. Besonders häufig finden sich folgende Kategorien:
| Todesursache | Beispiele |
|---|---|
| Natürlicher Tod/Alter | Augustus, Vespasian, Nerva, Diokletian |
| Krankheit | Tiberius, Titus, Trajan, Hadrian, Marcus Aurelius |
| Ermordung | Caligula, Domitian, Commodus, Caracalla |
| Selbstmord | Nero, Otho |
| Hinrichtung | Vitellius, Didius Julianus, Majorian |
| Tod im Krieg | Decius, Valens, Julian |
| Tod unter ungeklärten Umständen | verschiedene Kaiser des 3. und 4. Jahrhunderts |
Die Einordnung ist teilweise mit Unsicherheiten verbunden. Gerade bei antiken Todesberichten stammen viele Informationen aus späteren Quellen oder aus Darstellungen, die politische Interessen und Gerüchte widerspiegeln können. Deshalb sollte beispielsweise bei Vergiftungen, angeblichen Morden oder Krankheiten zwischen einer überlieferten Behauptung und einer historisch gesicherten Todesursache unterschieden werden.
Wie viele römische Kaiser gab es?
Eine eindeutige Zahl hängt davon ab, welche Herrscher gezählt werden. Berücksichtigt man nur die offiziell anerkannten Kaiser in Rom, ergibt sich eine andere Zahl als bei einer Liste, die Gegenkaiser, kurzzeitige Usurpatoren und parallel regierende Herrscher einbezieht.
Eine wissenschaftliche Untersuchung, die bestimmte Gegenkaiser und Sonderfälle ausklammert, kommt für den Zeitraum von 27 v. Chr. bis 476 n. Chr. auf 77 Kaiser. Sie weist zugleich darauf hin, dass sich Regierungszeiten aufgrund von Mitkaisern und parallelen Herrschaften überschneiden können.
Fazit: Römische Kaiser in der Übersicht
Die Geschichte der römischen Kaiser reicht von Augustus im Jahr 27 v. Chr. bis zum Ende des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert. Während Augustus, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und Marcus Aurelius für lange und vergleichsweise stabile Regierungszeiten stehen, waren andere Kaiser nur wenige Monate oder sogar Wochen an der Macht.
Besonders auffällig ist die hohe Zahl gewaltsamer Todesfälle. Kaiser konnten durch Palastintrigen, Prätorianergarde, Senat, eigene Soldaten oder rivalisierende Feldherren beseitigt werden. Im 3. Jahrhundert wurde diese politische Instabilität besonders deutlich.
Für eine historische Betrachtung sollte außerdem berücksichtigt werden, dass das Römische Reich nicht einfach mit dem Jahr 476 „verschwand“. Im Osten bestand das Römische Reich mit seinem Zentrum Konstantinopel weiter. Die Geschichte der römischen Kaiser endet daher nicht zwingend mit Romulus Augustulus, sondern geht im Osten bis in das Mittelalter weiter.